Zwischen Stein und Erinnerung

Wie aus Geschichte mit generativer KI ein Film entsteht

Wie lässt sich eine Welt sichtbar machen, von der nur noch wenige Zeugnisse erhalten sind? Und wie kann generative KI dabei helfen, ohne historische Rekonstruktion mit historischer Wahrheit zu verwechseln?

Für die Fördergemeinschaft Kirchen, Klosteranlagen und Kulturdenkmäler Pfaffen-Schwabenheim e. V. haben wir den Kurzfilm „Zwischen Stein und Erinnerung“ konzipiert und umgesetzt. Ausgangspunkt sind zwei mittelalterliche Grabplatten in der ehemaligen Klosterkirche von Pfaffen-Schwabenheim – insbesondere das Bildnis Johanns II. von Sponheim.

Die Grabplatte zeigt einen Menschen, der vor fast sieben Jahrhunderten gelebt hat. Der Film stellt deshalb eine einfache Frage:

Wie könnte die Welt ausgesehen haben, die sich hinter diesem steinernen Bild verbirgt?

Geschichte nicht nur erklären, sondern erlebbar machen

Johann II. wird im Film für einige Minuten aus seinem steinernen Bildnis herausgelöst. Der Zuschauer begegnet ihm im mittelalterlichen Kloster, erlebt das geistliche Leben der Chorherren und erhält Einblicke in die politischen Ereignisse seiner Zeit.

Historisch überlieferte Zusammenhänge werden dabei in kurze filmische Situationen übersetzt: die Verbindung der Grafen von Sponheim mit dem Kloster, politische Auseinandersetzungen, Bündnisse, die Verleihung von Stadtrechten für Winterburg und Koppenstein sowie die Burgenpolitik Johanns.

Nicht jede dieser Situationen ist als konkreter Augenblick historisch überliefert. Die Bilder verstehen sich deshalb ausdrücklich als künstlerische Rekonstruktionen. Sie sollen Geschichte anschaulich machen, ohne vorzugeben, eine fotografisch genaue Vergangenheit zu zeigen.

Generative KI ist nur ein Teil der Arbeit

Ein solcher Film entsteht nicht dadurch, dass ein einzelner Text in eine KI eingegeben wird.

Für viele Szenen wurden zunächst eigene Referenzbilder entwickelt. Architektur, Kleidung, Wappen, Grabplatten und historische Bildquellen mussten aufeinander abgestimmt werden. Anschließend wurden Bewegungsabläufe, Kameraperspektiven und Lichtstimmungen für die Animation definiert und immer wieder korrigiert.

Gerade kleine Details entscheiden darüber, ob eine Szene glaubwürdig wirkt: Ein mittelalterliches Wappen darf nicht plötzlich seine Form verändern. Eine Urkunde muss gerollt und nicht wie modernes Papier gefaltet übergeben werden. Kettenhemd, Kleidung und Frisuren müssen von Einstellung zu Einstellung zusammenpassen. Eine Kamera darf eine historische Szene nicht ungewollt wie eine Theaterbühne erscheinen lassen.

Generative KI liefert Möglichkeiten – Gestaltung, Auswahl und Kontrolle bleiben kreative Arbeit.

Historische Substanz als visueller Anker

Ein besonderer Bezugspunkt des Films ist der spätromanische Chor der ehemaligen Klosterkirche. Er bestand bereits zu Lebzeiten Johanns und ist bis heute nahezu unverändert erhalten.

Damit trifft die rekonstruierte Bilderwelt auf etwas Reales: einen Raum, den Johann tatsächlich gekannt haben könnte.

Der Film wechselt deshalb bewusst zwischen KI-generierten historischen Szenen und Aufnahmen des heute erhaltenen Bauwerks. Gregorianischer Gesang, ruhige Kamerabewegungen und zurückhaltende Geräusche verbinden beide Ebenen miteinander.

Vom steinernen Bild zurück zum Stein

Der Film beginnt mit der Grabplatte Johanns – und endet dort wieder.

Eine Restauratorin arbeitet vorsichtig am historischen Stein. Damit führt die Geschichte zurück in die Gegenwart. Was über Jahrhunderte erhalten geblieben ist, braucht heute Pflege und Aufmerksamkeit.

Für die Fördergemeinschaft wird der Film damit nicht nur zu einer historischen Erzählung. Er macht zugleich deutlich, warum der Erhalt der beiden mittelalterlichen Grabplatten von Johann und Walram von Sponheim wichtig ist.

KI-Film als neues Werkzeug der Kommunikation

Das Projekt zeigt, wo wir bei VMB einen besonders interessanten Einsatz generativer KI sehen: nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug für Geschichten, für die bisher geeignetes Bildmaterial fehlte.

Historische Themen sind dafür nur ein Beispiel. Auch für Museen, Kulturprojekte, Tourismus, Unternehmen oder erklärungsbedürftige Produkte können auf diese Weise Bilder und Filmsequenzen entstehen, die mit klassischen Produktionsmitteln nur mit erheblich größerem Aufwand realisierbar wären.

Entscheidend bleibt für uns dabei die Verbindung aus Konzept, Recherche, Gestaltung, KI-Visualisierung, Animation, Text, Ton und klassischem Filmschnitt.

Projektdaten

Projekt: „Zwischen Stein und Erinnerung“
Auftraggeber: Fördergemeinschaft Kirchen, Klosteranlagen und Kulturdenkmäler Pfaffen-Schwabenheim e. V.
Konzeption, KI-Visualisierung und filmische Umsetzung: VMB – Visuelle Medien Brunk